Grußwort

Aus den Lehren, die wir aus der Vergangenheit ziehen, bauen wir unsere Zukunft. In der Stadt Bergen, wo heute noch die Massengräber eines Konzentrationslagers liegen, treffen sich heute alljährlich Jugendliche aus verschiedenen europäischen Ländern. Bei den Anne-Frank-Friedenstagen entwickeln sie Visionen eines friedlichen Zusammenlebens. „Europa kennen lernen und gestalten“, lautete das Motto im Jahr 2005. Dieses Projekt war zugleich der Beginn einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen dem Bildungswerk Hannover der Konrad-Adenauer-Stiftung als Co-Organisator und dem Künstler Herbert W.H. Hundrich als Konzeptgeber und künstlerischem Leiter der Anne-Frank-Friedenstage 2005.

Diese Zusammenarbeit ist nun in eindruckvoller Weise mit dem Projekt „Grenzenloser Frieden: Feindschaft erkennen - Freundschaft gestalten“ weiterentwickelt worden. Israelische, palästinensische und deutsche Jugendliche zwischen 16 und 19 Jahren haben sich vom 10. bis 20. August im Ludwig-Windhorst-Haus in Lingen zusammengefunden, um sich kennen zu lernen und politische, religiöse und historische Vorurteile „dem Anderen“ gegenüber abzubauen.

Unter einem Dach haben die Jugendlichen in gemeinsamer Arbeit in vierzehn Tagen künstle-risch „ein“ Gemeinschaftshaus gebaut und gestaltet. Beeindruckt hat mich besonders die Aussage von Adar, einem jüdischen Jugendlichen aus Israel. „In unserem Alltag haben wir kaum Gelegenheit, Palästinenser oder arabische Israelis zu treffen - obwohl diese nur rund zehn Minuten entfernt leben. Da muss man erst nach Deutschland kommen, um sie besser kennen zu lernen“.

Wahre Freundschaft ist eine sehr langsam wachsende Pflanze, die immer wieder begossen und sorgsam gepflegt werden muss. Ich wünsche dem Projekt „Grenzenloser Frieden: Feindschaft erkennen - Freundschaft gestalten“ auch in den nächsten Jahren den Erfolg, den es in diesem Jahr bereits erreicht hat.

Das Land Niedersachsen wird für interessierte Jugendliche aus Israel, Palästina und Deutschland ein Ort der Begegnung und des Gesprächs bleiben. Mein Dank gilt hier besonders Christian Schleicher, dem Leiter des Bildungswerk Hannover der Konrad-Adenauer-Stiftung, dem Künstler Herbert W.H. Hundrich und Harvey Wösten für ihr Engagement und die Hilfestellung.

„Wenn ein Reisender nach Hause zurückkehrt, soll er nicht die Bräuche seiner Heimat eintauschen gegen die des fremden Landes. Nur einige Blumen von dem, was er in der Ferne gelernt hat, soll er in die Gewohnheiten seines eigenen Landes einpflanzen“, hat einmal der englische Philosoph und Staatsmann Francis Bacon gesagt.

Ich wünsche allen Jugendlichen, dass der Samen der Freundschaft und Völkerver-ständigung, der in Lingen gelegt worden ist, in Palästina und Israel aufgehen wird. Die Freundschaft der Jugendlichen untereinander heute ist die Brücke, über die die Jugendlichen beider Länder in der Zukunft gehen werden.

Christian Wulff
Niedersächsischer Ministerpräsident
Hannover, im September 2006

Eintreten ins WoodHouse